Klima hautnah - kann ich was tun?: Seelze - Grünes Frühstück

  • Veröffentlicht am: 3. Februar 2020 - 11:10

33. Grünes Frühstück - der Versuch eines Berichtes

Der Saal der Gaststätte Flügels war an seiner Kapazitätsgrenze. Es war kein Stuhl mehr frei, als das 33. Grüne Frühstück begann.

Die Veranstaltung mit dem Thema „ Klima hautnah – kann ich was tun“ gliederte sich in mehrere Abschnitte.

Einmal begrüßte die Moderatorin Evelyn Werner für den Bereich „Verkehr“ von der Region Hannover Wiebke Schepelmann und Klaus Geschwinder. Sie sprach an, dass nach der Ankündigung der Veranstaltung durch die Presse und auf der Webseite Anrufe kamen:

                „Ich würde gern zu Ihrer Veranstaltung von Harenberg nach Seelze kommen, aber: Ich fahre nicht Auto, mit dem Fahrrad durch die Felder traue ich mich ebenso wenig wie auf der Bundesstraße ohne Radweg entlang. Am Kanal kann ich nicht entlang, weil ich das Rad dann nicht von dort hinauf zurück auf die Straße bekomme. Über die Heimstättenbrücke kann ich nicht, weil der Fahrstuhl seit Monaten gesperrt ist und eine Taxe kann ich mir nicht leisten. Den Bus nach Seelze gibt es seit dem Fahrplanwechsel nicht mehr. So komme ich auch nicht zum Arzt nach Seelze und kann dort auch nicht mehr einkaufen. Das tue ich jetzt in Seelze.“

„Die Kita in Harenberg hat mir gesagt, dass sie mit meinem Kind die tolle Ausstellung von Puppenstuben nicht besuchen kann, weil es keinen Bus mehr dorthin gibt.“

                „Ich gehe nicht mehr zu dem großen Veranstaltungsangebot in Harenberg, weil ich von Seelze dort nicht mehr hinkomme. Der Bus fährt nicht mehr.“

Selbst ergänzte die Moderatorin, dass der Entwurf des neuen Nahverkehrsplans in seiner Präambel darauf zielt, dass eine Verhaltensänderung vom Auto zu öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad erreicht werden soll und muss und da das Abschneiden eines Ortsteils von Seelze und nach Seelze in diesem Sinn kontraproduktiv ist.

Klaus Geschwinder ging darauf ein, dass die S-Bahnen – damit die Verbindung von Seelze nach Hannover zu bestimmten Zeiten extrem ausgelastet ist, ebenso wie der Bus 700- von dem man dieses gar nicht so erwartet hat. Diese Buslinie steht in der Option, künftig als Elektrobus angeboten zu werden. Die zahlreichen Proteste nach Änderung der Linie 572 (das ist die Linie, die Harenberg nicht mehr anfährt) haben zu der Erkenntnis geführt, dass sie „teilweise“ berechtigt sind. Man hat sie in der Region als Problem erkannt und arbeitet an einer zeitnahen  Nachsteuerung. Konkrete Entscheidungen gibt es hier wohl nicht, aber offensichtlich ist es wichtig, die unterschiedlichen Bedürfnisse unbedingt in der Vielfalt noch einmal darzustellen. So wurde aus dem Publikum auch darauf hingewiesen, dass Kinder von Seelze nach Harenberg nach Schulende fast eine Stunde für den Schulweg mit dem Bus benötigen, weil sie nun unsinnigerweise in Döteberg umsteigen müssen. Das Ergebnis: Eltern fahren mit dem Auto von Harenberg nach Döteberg und holen dort ihre Kinder ab oder fahren gleich zur weiterführenden Schule nach Seelze, um die Kinder dort abzuholen. Aus dem Publikum kam auch der als berechtigt von Klaus Geschwinder anerkennte Einwand, dass auf diese für Harenberger bedeutende Änderung im Fahrplan nicht im Vorfeld öffentlich besonders hingewiesen wurde. Auch die Schulen wurden nicht informiert. So standen SchülerInnen nach der Fahrplanänderung unvorbereitet irgendwo und kamen nicht weiter.

Die Ausweitung der 30-km-Regelung auf der Hannoversche Straße in Richtung Letter wurde speziell nach der Asphaltierung des ersten Renovierungsabschnittes angesprochen.  Wiebke Schepelmann, die sich speziell mit diesem Thema für Seelze beschäftigt, erklärte: Die Gesetzeslage lässt zumindest noch nicht zu, diese Maßnahme auszuweiten.

Die schon bei vorangegangenen Grünen Frühstücken mehrfach aufgeworfene Frage, wo ist bei einer Regionsstraße die Region und wo die Stadt zuständig, beantwortete Wiebke Schepelmann mit der Abgrenzung: Region – rollender Verkehr. Wenn es also Gedanken wie Einbahnstraßen-Regelungen gibt, so – erklärte sie auf Nachfrage – ist dieses auf Regionsebene zu entscheiden.

Bei der Wertigkeit der Verkehrsteilnehmer auf der Hannoversche Straße hat nach heutigen Gesichtspunkten noch immer das Auto Vorrang vor anderen Verkehrsteilnehmern wie Radfahrer. So hat die Breite der Straße bei der ersten Renovierungsstufe dazu geführt, dass es nur Piktogramme auf dem Fahrweg gibt und in der weiteren Ausbaustufe in Richtung Letter einen Teilabschnitt mit rot markiertem Schutzstreifen bei beidseitigem Ausbau der Parkmöglichkeiten. Man habe eine Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer bei diesen Schutzstreifen festgestellt, so Wiebke Schepelmann. Wenn man anderes wolle, so müsse man grundsätzlich über eine Prioritätenänderung allgemein nachdenken. So weit ist man offensichtlich aber noch nicht.

Es wurde wieder das Problem an der Bus-Haltestelle an der Göxer Landstraße/Hermannstal/Kanalstraße für Menschen, die bei der Lebenshilfe Seelze arbeiten, vorgebracht. Hier hatte es – so die Moderatorin – die Aussage gegeben, der Bund habe dieses Problem es Erfordernisses einer Ampel erkannt, aber noch wäre es nicht in den finanziellen Planungen. Wiebke Schepelmann erklärte hierzu, dass es keine Zuständigkeit seitens der Region gibt und man über diese oftmals gegebene Problematik der unterschiedlichen Zuständigkeiten auch nicht glücklich sei. Aber sie wolle klären, ob man hier trotzdem vermittelt behilflich sein könne und sich dazu melden.

Am Rande der Veranstaltung wurde das Thema „Radschnellweg Hannover Garbsen“ angesprochen. Da gibt es offensichtlich im Moment mehrere Modelle, aber nur eines führt über Letter und würde damit Seelze an diese für Alltagsfahrer wichtige Verbindung anschließen. Hier ist es offensichtlich erforderlich alle Stellen wie auch die Verwaltung der Stadt Seelze möglichst optimal zu aktivieren, damit Seelze nicht außen vor bleibt, denn die Erreichbarkeit für Alltagsfahrer ist durch u.a. Sperrung einer Brücke erschwert worden.

 

Auf viel Interesse und viele Fragen – auch nach dem Ende der Veranstaltung – stieß das von Ludwig Brokering mitgebrachte Balkonmodul. Mit dem Einsatz von 400€ ist es möglich eine Kleinanlage ohne viel Aufwand und Kenntnisse in den Garten, auf den Balkon oder auch an dem Balkon anzubringen und den Alltagsbedarf einer normalen Wohneinheit abzudecken. Auch als Mieter kann man so Strom mit einer eigenständig abgesicherten Steckdose so seine Grundlast erzeugen. Man spart damit ca 50€ Stromkosten. Dazu kommt die CO² - Einsparung. Eine Baugenehmigung ist nicht erforderlich, aber die Anlage muss beim Stromversorger angemeldet werden.  Ludwig Brokering erlebte nach der Veranstaltung eine rege Nachfrage nach diesen Möglichkeiten und bot sich an, hier auch beratend gern zu helfen.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatten Anrufer bei den Grünen nach der Earth Hour 2020 am 28.3.2020 gefragt. Das Thema wurde angesprochen, aber nicht vertieft. Die Grünen werden intern besprechen, ob sie hier einen Antrag stellen.

 

Das letzte, große Thema, das ein absolut wichtiges Klima-Thema ist und uns alle angeht, ist das Thema Müll. Thomas Schwarz, Geschäftsführer von aha Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover war zu diesem Thema da.

Von der Moderatorin auf die Stichworte „Müllgebühren, Müllsack oder Tonne, Abholungszeiten“ angesprochen, erklärte Thomas Schwarz, man habe einen möglichst gerechten Weg finden müssen zwischen

                1,1 Milliarden Liter Volumen in der Stadt und 800 Millionen Liter Volumen in der Region

                Kurzen Wegen in der Stadt und langen Wegen in der Region

Scherzhaft sagte er: Katzenklos sichern hier Arbeitsplätze.

                50% des Müllaufkommens werden verbrannt – wegen der enthaltenen Schadstoffe

                50% der getrennten Menge werden „gerettet“

                               50  Sortieranlagen gibt es in der BRD – alte schaffen dabei 4 Stoffe zu unterscheiden und neue Anlage bis zu 12 Sorten.

Am Beispiel eines Hemme-Jogurt-Bechers schilderte Thomas Schwarz die Problematik der Mülltrennung. Eingehend darauf, das zunächst der Erwerb eines regionalen Produktes gut ist, zeigte er an dem Joghurtbecher, dass dieser angefangen am abdeckenden Deckel aus durchsichtigem Plastik, fortgesetzt am Alu-Deckel, an der Papier/Pappe-Ummantelung und schließlich am Plastik-Becker = es handelt sich um vier unterschiedliche Materialien. Und nur, wenn diese bereits bei der Entsorgung getrennt werden, können sie auch verwertet werden.

Natürlich wurde angesprochen, dass Müll aus Deutschland in der ganzen Welt landet – Elektromüll  in Afrika, Plastikmüll früher in China nun in Südostasien und dem Meer. Müll von aha wird – wenn nicht selbst verwertet wird – ausgeschrieben nur für zertifizierte Entsorger.

Natürlich kam auch die Frage, warum denn gerade in der warmen Jahreszeit nicht öfter entsorgt werden könne und warum die orange Tonne abgeschafft wird. Die klare Antwort: Es ist eine Frage der Kosten. Wenn man bereit ist, für die Entsorgung mehr zu zahlen, ist auch mehr zu machen.

Die Veranstaltung endete hier wie immer pünktlich um 12 Uhr. Und Thomas Schwarz war nun ebenso eng umringt wie auch die anderen Akteure. Die Fragen zum Thema Müll wollten nicht enden und waren sehr vielfältig.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte die Moderatorin eingeladen, an einem noch offenen Termin am neuen, großen Windrad in Dedensen mit Herrn Dr. Jäger-Bloh teilzunehmen. Mehrere TeilnehmerInnen trugen sich dazu in eine Liste ein. Es wurde angekündigt, dass der Termin zu diesem Info-Treffen öffentlich gemacht werden wird, die TeilnehmerInnen, die sich direkt eingetragen haben, werden direkt informiert.

Das nächste 34. Grüne Frühstück findet am 27. Juni 2020 im Saal Flügels statt.